E-Books: Das Buch liegt im Sterben - es lebe das Buch
Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden E-Book-Reader noch milde belächelt. Als das Apple iPad den Markt eroberte, änderte sich das schlagartig. Experten sind sich jedoch einig, dass die Zukunft des Buches auf den bis dato noch monochromen Schultern der reinen Lesegeräte wie Kindle und Co. ruht. online-tarife.de hat sich die neuen Lesegeräte genauer angesehen.
Derzeit sind elektronische Bücher, sogenannte E-Books, und entsprechende E-Book-Reader ein großes Thema. Zwar werden die Geräte von Leseratten weltweit nach wie vor kritisch beäugt, doch jeder, der sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzt, wird feststellen, welche Vorteile E-Books mit sich bringen, und dass dieses Medium in Zukunft ohne Zweifel einen festen Platz im Buch-Business einnehmen wird. Allein für 2010 prognostizierten Experten den Verkauf von mehr als 2 Millionen E-Book-Readern. Kein Zweifel, der Markt befindet sich in Bewegung und das neue Medium ist kaum noch aufzuhalten.
Technik: E-Book, iPad und Co.
Die Revolution wird jedoch nicht durch das iPad gestartet, sondern durch die richtigen E-Book-Reader wie dem Kindle und dem Sony Reader. Denn im Gegensatz zum iPad verfügen diese Geräte über eine Eigenschaft, die für den Lesegenuss sehr entscheidend ist: ein E-Ink-Display.

Im Gegensatz zum LED/IPS-Display des iPads hat das E-Ink-Display die Fähigkeit, Schrift auf einem Bildschirm fast wie gedrucktes Papier wirken zu lassen, was einen hohen Lesekomfort für das Auge bietet. Bisher vermag ein E-Ink-Display Schrift nur monochrom, also in schwarz-weiß anzuzeigen. Doch es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann das elektronische Papier auch Farben darstellen können wird - damit könnten zum Beispiel auch Bilderbücher für Kinder auf einem E-Book-Reader gelesen werden.
Ein weiteres großes Manko des iPads als Lesegerät für elektronische Bücher ist seine kurze Akkulaufzeit. Ein Lesegerät verbraucht kaum Strom, nur wenn die Seite "umgeblättert" wird, wird der Akku wirklich beansprucht, behaupten die Hersteller. Entsprechend wird die Akkulaufzeit auch oft nicht in Stunden angegeben, sondern in Seitenumschlägen. Die neuesten E-Book-Reader bieten laut Herstellerangaben teilweise bis zu 7500 Seitenumschläge pro Akkuladung. Das iPad ist zudem deutlich schwerer als ein üblicher E-Book-Reader und nicht in der Lage, sich unterschiedlichen Lichtverhältnissen anzupassen, so dass der Lesespaß im wahrsten Sinne des Wortes getrübt wird.
Die Vorteile eines neuen Mediums
Auf der Festplatte eines E-Book-Readers finden Hunderte von Büchern Platz, was sicher einen der größten Vorteile gegenüber dem klassischen Buch darstellt. Die Lesegeräte sind klein und leicht. Ein Dutzend Bücher mit in den Urlaub zu nehmen wird somit zum Kinderspiel. Die Schriftgröße ist einstellbar, so dass auch Menschen mit Sehschwächen kein Problem beim Lesen haben. Viele Lesegeräte können zudem MP3s abspielen, um den Lesegenuss musikalisch zu untermalen. Manche Geräte sind sogar in der Lage, das Buch vorzulesen. Ebenfalls nicht außer Acht zu lassen ist die Tatsache, dass elektronische Bücher absolut umweltfreundlich sind: Sie benötigen keinerlei Papier.
Vor allem für das wissenschaftliche Arbeiten an Hochschulen sind E-Books ideal. Entsprechend werden wissenschaftliche Fachbücher vorzugsweise auf elektronischem Wege veröffentlicht. Die Lesegeräte verfügen über eine Volltextsuche, so dass gezielt nach relevanten Passagen gesucht werden kann.
Da die Produktions- und Vertriebskosten von E-Büchern niedrig sind, könnten Bücher theoretisch wesentlich günstiger angeboten werden. Von den geringen Herstellungskosten könnten zusätzlich seltene, bereits vergriffene Buchtitel profitieren, die mittlerweile nicht mehr aufgelegt werden.
Bücher: Eine Frage des Gefühls?

So praktisch E-Bücher auch sind, passionierte Leseratten bemängeln das fehlende Buch-Gefühl beim Lesen: Ein E-Book-Reader ist eben kein Buch. Bücher sind für viele Menschen etwas sehr Emotionales. Das Gefühl beim Umblättern der Seiten, der Geruch eines Buches - all das macht Lesen zu einer sinnlichen Erfahrung, die bei einem E-Book-Reader völlig abhandenkommt bzw. durch neue Empfindungen ersetzt wird. Ob sich beim Umblättern einer E-Book Seite per Pfeiltaste irgendwann ein ähnliches Gefühl einstellt, bleibt fraglich.
Der deutsche Markt lässt auf sich warten
Ebenfalls negativ zu bewerten ist die bisher eher mäßige Verbreitung von E-Books in Deutschland. Im Ausland jedoch, vor allem in den Vereinigten Staaten, erfreuen sich E-Books steigender Beliebtheit. Rund eine Million Titel sind bisher weltweit verfügbar. Da hinkt der deutsche Markt noch ziemlich hinterher. Bei den 130.000 Titeln, die Amazon.com neben dem normalen Buch auch als E-Book anbietet, machen die Käufe von E-Books nur knapp 6% des Umsatzes aus - entsprechend hoch sind bisher die Preise für digitale Bücher. Amazon bietet seinen Kindle noch nicht auf dem deutschen Markt an. Der deutsche Ableger empfiehlt stattdessen den Anbieter Mobipocket.com, ein Unternehmen, das zu Amazon.com gehört.
Warten auf die Einheit
Bisher existiert kein einheitlicher Standard für die im E-Book-Reader verwendeten Dateiformate. Die drei gängigsten sind PDF, mobipocket und ePub. mobipocket jedoch wird exklusiv von Amazon für den Kindle verwendet. Das internationale Versandhaus übt sich auf diese Weise in Kundenbindung. Besonders vorbildlich ist das nicht, denn so entstehen geschlossene Systeme aus E-Books und Readern eines Herstellers. Der Marktentwicklung schadet derartiges Vorgehen eher, als es ihm nützt.
Der fehlende Standard hat zur Folge, dass der E-Book Markt wenig transparent wirkt. Um im Dickicht der Dateiformate bestehen zu können, müssen die meisten Lesegeräte mehrere Dateitypen unterstützen und auch die elektronischen Bücher selbst werden von vielen Händlern noch in mehreren Formaten angeboten - man muss ja kompatibel bleiben, bis hoffentlich irgendwann Einheit herrscht.
Die Zukunft des Buchs

Doch in dieser Hinsicht kommt der Markt derzeit langsam in Bewegung: Jüngst wurden zahlreich neue, schicke Lesegeräte der breiten Masse vorgestellt, was beweist, dass man durchaus versucht, den Markt für die neue Technik zu öffnen. Bis 2015 soll versucht werden, den Anteil von E-Books auf dem deutschen Markt auf 10-15 Prozent zu steigern. Entsprechend wird man sich während dieser Zeit zwangsläufig Gedanken über einheitliche Standards sowie eine größere Titelauswahl machen müssen. Wenn in dieser Hinsicht eine positive Entwicklung zu verzeichnen wäre, könnten E-Books alsbald genauso selbstverständlich werden, wie Musik im Internet zu kaufen.
Die online-tarife.de Redaktion hat drei E-Book-Reader für Sie genauer unter die Lupe genommen und ausführlich getestet:
Amazon Kindle 4 im Test
Amazon Kindle Keyboard im Test
Weltbild eBook Reader 3.0 om Test
Sony Reader PRS 650 im Test
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